 Hat Wolfgang Röhl recht, wenn er im Stern vom 19. April 2001 schreibt, daß »wo Öko draufsteht [...] in Zeiten des Vollwert-Fiebers noch lange nicht Öko drin« ist? Sicher ist, jedes Erzeugnis, das innerhalb der Europäischen Union als aus ökologischem Landbau stammend gekennzeichnet ist, muß entsprechend der EU-Bio-Verordnung erzeugt worden sein. Es wurde von unabhängigen Kontrollinstituten von der Erzeugung über den Landhandel die Verarbeitung bis zum Handel kontrolliert. Sicher ist, jedes Erzeugnis, das mit einem der Produktsiegel eines der AGÖL Mitglieder ausgezeichnet ist, muß den Richtlinien der AGÖL und des jeweiligen Verbandes entsprechen. Ist es den AGÖL Mitgliedsverbänden, deren Betrieben und Kunden vorzuwerfen, daß es mittlerweile 500 Bio-Siegel mitunter von zwielichtigen Unternehmen gibt? Nein. Das ist der Preis eines freiheitlichen Systems, das die Handlungsfreiheit eines jeden soweit als möglich erhalten will. Ist es der Europäischen Union vorzuwerfen, wenn die Bio-Verordnung umgangen wird, indem statt mit »ökologischem Anbau« mit Worten wie »integriert«, »extensiv«, »naturnah«, »unbehandelt«, »nachhaltig«, »verantwortlich« oder »sanft«geworben wird? Will Herr Röhl jedes Wort gesetzlich definieren und dann jede Äußerung auf die Konformität mit der gesetzlichen Definition kontrollieren? Ist ein Regelsystem schon allein deswegen unsinnig, weil es von einer kleinen Minderheit nicht befolgt wird? Nein. Ist das Tötungsverbot des deutschen Strafgesetzbuches schlecht, nur weil es immer wieder Tötungen gibt? Werfen wir DaimlerChrysler vor, daß es schlechte Autos baut, nur weil gefälschte Originalersatzteile von schlechter Qualität sind? Ist der Bio-Karpfen wirklich nur 50% teurer, obwohl beide »ordinäres Teichfutter« fressen? In Abschnitt »4.11.6 - Fütterung« bei der Teichwirtschaft in den Bioland-Richtlinien heißt es: Grundlage der Fischfütterung ist das Nahrungsaufkommen des Teiches. Durch Zufütterung vorwiegend pflanzlicher Futtermittel soll die teicheigene Produktion optimal genutzt werden. Die Zufuttermenge ist auf 25 % des Gesamtfutters eines Produktionsverfahrens begrenzt. Die Zufütterung erfolgt ausschließlich mit betriebseigenem Futter bzw. Futter von Betrieben der AGÖL-Verbände. Also doch kein normales Teichfutter. Wir meinen, daß es nicht falsch ist, auf Massentierhaltung zu verzichten. Es ist nicht falsch, auf Gülle, Pestizide und Kunstdünger zu verzichten, die das Grund- und Oberflächenwasser verseuchen. Es ist nicht falsch, die natürlichen Lebensgrundlagen für Mensch und Tier zu erhalten, Natur- und Artenschutz zu betreiben und Umweltbelastungen zu vermeiden. Zugegeben, eine Kolumne ist keine Reportage und Herr Röhl hat nur eine Kolumne geschrieben. Aber entbindet dies von der Pflicht zu halbwegs wahrheitsgetreuer Berichterstattung? |