Sehenswertes im Spreewald, Naturpark Dahme/Heideseen und Umgebung - Natur- & Kulturlandschaften - Theodor Fontane - Vierter Teil: Spreeland - In den Spreewald

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Urlaub im Spreewald: Pension Schafspelz und Restaurant Bärengewölbe
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Einzelne Häuser werden sichtbar; wir haben Lehde, das erste Spreewaldsdorf, erreicht. Es ist die Lagunenstadt in Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag, als die ersten Fischerfamilien auf seinen Sumpfeilanden Schutz suchten. Man kann nichts Lieblicheres sehn als dieses Lehde, das aus ebenso vielen Inseln besteht, als es Häuser hat. Die Spree bildet die große Dorfstraße, darin schmalere Gassen von links und rechts her einmünden. Wo sonst Heckenzäune sich ziehn, um die Grenzen eines Grundstückes zu markieren, ziehen sich hier vielgestaltige Kanäle, die Höfe selbst aber sind in ihrer Grundanlage meistens gleich. Dicht an der Spreestraße steht das Wohnhaus, ziemlich nahe daran die Stallgebäude, während klafterweis aufgeschichtetes Erlenholz als schützender Kreis um das Inselchen herläuft. Obstbäume und Düngerhaufen, Blumenbeete und Fischkasten teilen sich im übrigen in das Terrain und geben eine Fülle der reizendsten Bilder. Das Wohnhaus ist jederzeit ein Blockhaus mit kleinen Fenstern und einer tüchtigen Schilfdachkappe; das ist das Wesentliche; seine Schönheit aber besteht in seiner reichen und malerischen Einfassung von Blatt und Blüte: Kürbis rankt sich auf, und Geißblatt und Convolvulus schlingen sich mit allen Farben hindurch. Endlich zwischen Haus und Ufer breitet sich ein Grasplatz aus, an den sich ein Brückchen oder ein Holzsteg schließt, und um ihn herum gruppieren sich die Kähne, kleiner und größer, immer aber dienstbereit, sei es um bei Tag einen Heuschober in den Stall zu schaffen oder am Abend einem Liebespaare bei seinem Stelldichein behilflich zu sein.

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3. »Die Leber ist von einem Hecht«

Die letzten Häuser von Lehde liegen hinter uns, und wieder dehnen sich Wiesen zu beiden Seiten aus, nur hier und da durch Erlengruppen oder ein paar einzelnstehende Eichen unterbrochen. In südöstlicher Richtung geht es stroman, eine Biegung noch und jetzt eine zweite, bis sich unser Flachkahn durch allerlei Tang und Kraut in einen schmalen und gradlinigen Kanal einschiebt, der die Verbindungsstraße zwischen den zwei Hauptarmen der Spree bildet.

Dieser Kanal, eine halbe Meile lang, zählt mit zu den besonderen Schönheiten des Spreewaldes. Im allgemeinen wird sich sagen lassen, daß eine mit dem Lineal gezogene Linie landschaftlich ohne Reiz sei, jede Regel aber hat ihre Ausnahme (gewißlich hat sie sie hier), und ein Vergleich mag diese Wasserstraße beschreiben. Jeder kennt die langgestreckten Laubgänge, die sich unter dem Namen »Poetensteige« in allen altfranzösischen Parkanlagen vorfinden. Ein solcher Poetensteig ist nun der Kanal, der eben jetzt in seiner ganzen Länge vor uns liegt, und, ein niedriges und dicht gewölbtes Laubdach über uns, so gleiten wir im Boot die Straße hinauf, die, nach Art einer Tute sich zuspitzend, an ihrem äußersten Ausgang ein phantastisch verkleinertes und nur noch halb erkennbares Pflanzengewirre zeigt. Alles in einem wunderbaren Licht.

Endlich erreichen wir diesen Ausgang und fahren in abermaliger scharfer Biegung in einen breiten, aber überall mit Schlangenkraut überwachsenen Flußarm ein, der uns in weniger als einer Stunde nach der »Eiche«, einem mitten im Spreewald gelegenen und von der Frau Schenker in gutem Ansehen erhaltenen Wirtshause, führt. Dasselbe zeigt den echten Spreewaldsstil und unterscheidet sich in nichts von den wendischen Blockhäusern des Dorfes Lehde. Nichtsdestoweniger scheinen statt Sorben oder Wenden eingewanderte Sachsen von Anfang an an dieser Stelle heimisch gewesen zu sein, denn nicht nur, daß die fast allzu germanisch klingenden »Schenkers« in dritter Generation schon in diesem Hause haushalten, auch ein alter, mühsam zu entziffernder Spruch über dem Eingange läßt über den deutschen Ursprung der ganzen Anlage keine Zweifel aufkommen. Der Spruch aber lautet:

Wir bauen oftmals feste
Und sind nur fremde Gäste;
Wo wir sollten ewig sein,
Da bauen wir ja wenig ein.

Frau Schenker ist eine freundliche Wirtin und eine stattliche Großmutter; ob deutsch oder wendisch, sie hängt am Spreewald und schreibt der Spree, neben allem sonstigen Guten, auch wirkliche Heil- und Wunderkräfte zu, worüber wir uns in einen scherzhaften Streit mit ihr verwickeln. Inzwischen ist die Tafel gedeckt worden, und wir blicken auf eine reizende Szenerie. Der Tisch mit dem weißen Linnen steht unter einer mächtigen und prächtigen Linde, zwischen uns und dem Fluß aber wölbt sich eine hohe Laube von Pfeifenkraut, vor derem Eingange – wie Puck auf seinem Pilz – Frau Schenkers jüngste Enkelin auf einem Baumstumpf sitzt und, das lachende Gesicht unter dem roten Kopftuch halb verborgen, in Neugier auf die fremden Gäste herüberblickt.

Und nun das Mahl selber! Das wäre kein echtes Spreewaldsmahl, wenn nicht ein Hecht auf dem Tische stünde.

Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Schleie,
Der Fisch will trinken, gebt ihm was, daß er vor Durst nicht schreie.

Und mit diesem zeitgemäßen Leberreime ging es an die Entpuppung des Korbes, der bereits während der Fahrt mehr als einen interessierten Blick auf sich gezogen hatte. Das erste Glas galt, wie billig, der Wirtin, andere folgten, bis zuletzt die Mahlzeit und die lange Reihe der Toaste mit dem Jubelhymnus abschloß:

Die Leber ist von einem Hecht und nicht von einem Störe,
Es lebe Lehrer Klingestein, der Kantor der Kantöre.

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Badestelle am Köthener See
Badestelle am Köthener See
Blick auf den Köthener See von einer Ferienwohnung der Pension Schafspelz im Spreewald
Surfer auf dem Köthener See
Laubengang auf dem Hof der Pension Schafspelz im Spreewald
Hintere Holzveranda, im Sommer als Sitzplatz für die Gäste des Restaurants Bärengewölbe
Gastraum des Restaurants Bärengewölbe in Köthen im Spreewald
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