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Soll's uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen, Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, O so gib Geduld zu beiden, Richte unsren Sinn Auf das Ende hin. Ordne unsren Gang, Jesu, lebenslang; Führst du uns durch rauhe Wege, Gib uns auch die nöt'ge Pflege, Tu uns nach dem Lauf Deine Türe auf. Das Lied hätte die doppelte Zahl von Strophen haben können, wir wären willig gefolgt. Es hatte jeden von uns ergriffen, am meisten den Nestor unseres Kreises, der fast verlegen vor sich nieder sah und auf unsere wiederholte Frage nach dem »Warum« endlich antwortete: »Sie sind alle bewegt durch das Lied. Ich bin es doppelt und muß es sein. Daß Ihnen dieses Lied hier begegnet, ist zu bescheidenem Teile mein Verdienst. Es sind jetzt gerade fünf Jahre, daß ich auf einer ähnlichen Reise wie diese in eine Dorfschule trat und das schöne Zinzendorfsche Lied in jener rhythmischen Form singen hörte, darin Sie's eben vernommen haben. In dieser Form wirkte das längst Bekannte wie neu auf mich und riß mich nicht nur fort durch seine Kraft und Innigkeit, sondern veranlaßte mich auch, es nach meiner Rückkehr in einem mir zu Gebote stehenden Fachblatte zu veröffentlichen. Ich weiß, daß es seitdem vielfach Eingang gefunden hat; hier aber trat es mir zum ersten Male wieder lebendig entgegen und bestätigte mir die Lehre: Man streue nur gute Körner aus und sorge nicht, was aus ihnen wird; irgendwo gehen sie auf, und wenn es im stillsten Winkel des Spreewalds wäre.« Die Sonne neigte sich und mahnte zum Aufbruch. Noch reizende Partien kamen, aber der Höhepunkt des Festes lag hinter uns. In Dorf Leipe, das wir auf unserem Rückweg passierten, trafen wir hauptstädtische Gesellschaft, die der wachsende Schönheitsruf des Spreewaldes herbeigelockt hatte. Wir schlossen uns ihnen an, und Boot an Boot ging es nunmehr wieder auf Lübbenau zu. Wort und Lachen klang herüber und hinüber, und ein kalter Grog, der, als die Sonne nieder war, aus Rum und Spreewaldwasser gebraut wurde, hielt die Kühle des Abends von uns fern. Aber nicht auf lange; Plaid und Paletot forderten endlich ihr Recht, und lautlos glitten die beiden Boote nebeneinander her. In die Stille hinein klang nichts mehr als der taktmäßige Ruck der Ruder und das leise Plätschern des Wassers. Es schlug zehn von dem am Abendhimmel aufdunkelnden Turm, als wir im Schatten der Lynarschen Parkbäume wieder anlegten. Der »Braune Hirsch« nahm uns eine Viertelstunde später in seine gastlichen Betten auf, Bootführer Birkig aber ging seinem Dienste nach, um mit Horn und Spieß für Lübbenau und seine Spreewaldgäste zu wachen. zurück | Pension Schafspelz: Urlaub im Spreewald | |  | |