 In den dörflichen Sitten und Bräuchen, die heute noch in den Spreewaldgemeinen gepflegt werden, spiegelt sich die Intaktheit der jeweiligen Gemeinschaft wider. Das hiesige Brauchtum hat sich über Jahrhunderte bis in die Gegenwart hinein erhalten und nimmt einen festen Platz im kulturellen Leben der Menschen ein. Die Sitten und Bräuche dienten einstmals vor allem als Abwehrzauber gegen böse Geister und Dämonen, sowie als Fruchtbarkeitszauber in Form eines Hahns oder Eies und nicht zuletzt der Vertreibung des Alten und Schwachen durch das Neue und Kräftige. Außer diesen Elementen, die teils aus vorchristlicher Zeit, teils aus der Feudalzeit stammen und heidnische wie christliche Bestandteile ausweisen, spielen in den Bräuchen der Spieltrieb der Jugend und das gegenseitige Kräftemessen eine große Rolle. Im Januar (25.1.) findet der schönste Brauch unter den jüngeren Kindern statt. Die Kinder gehen in Vogelkostümen durch das Dorf und sammeln dabei Süßigkeiten ein. Organisiert wird dieser Brauch von den Kindergärten und Schulen.  | Fastnacht und Zampern |
Das wohl größte Fest der ganzen Niederlausitz ist die Fastnacht (Zapust). Sie beendet die lange Zeit zwischen Ernte und Aussaat. Es wird zwischen Männer- und Jugendfastnacht entschieden. Weiberfastnacht finden weiniger statt. Bei der Fastnacht darf natürlich das Zampern nicht fehlen. Kostümiert zeihen die Zamperleute mit Kiepe, Kober und Geldkassette von Haus zu Haus. Die sie begleitende Kapelle spielt ein Ständchen, es wird getanzt, getrunken und wieder weitergezogen. Die Dorfbewohner halten für die Zamperer Speck, Eier, Geld und Schnaps zum Mitnehmen bereit. Zur Fastnacht gehört in den meisten Dörfern auch ein festlicher Trachtenumzug. Den Abschluss des Zapust bildet der gemeinsame Fastnachtstanz und kurze Zeit später das Eierkuchenessen (Rührei mit Speck). Die Frühlingsbräuche werden von den zahlreichen Osterbräuchen bestimmt. So kann man sich an das kunstvolle Verzieren von Ostereiern, das Osterfeuer und das Waleiern (Eierrollen um den Preis eines Eies oder Geldstückes, ähnlich dem »Murmelspiel« der Kinder) erfreuen. Am Abend vor dem 1. Mai wird in zahlreichen Dörfern von den jungen Männern der Maibaum aufgestellt. Der Baum muss aus dem Wald gestohlen sein, damit er seine Symbolkraft als Beschützer des Dorfes behalten soll. Außerdem muss der Stamm von der Baumrinde befreit sein, weil sich sonst zwischen Baum und Borke böse Geister und Krankheiten verstecken könnten.  | Erntebräuche |
Eine ganze Reihe von Erntebräuchen finden in den Monaten Juni bis August satt. Dazu gehören das Hahnrupfen, Froschkarren, Stolle-, Stoppel- und Kranzreiten. Beim Hahnrupfen wird ein geschlachteter Hahn an einem geschmückten Stangentor in der Mitte aufgehängt, dabei sind der Kopf und die Flügel nur angesteckt. Die jungen Männer müssen versuchen, im schnellen Ritt mit ihren Pferden entweder den Kopf oder wenigstens einen Flügel zu erhaschen. Danach führen die jungen Frauen ihren Brauch, das Froschkarren, durch. Ein Wettrennen wird veranstaltet, wobei ein lebender Frosch, auf einer Sprosse, einer Leiterkarre sitzt. Wer als erster mit dem Frosch das Ziel erreicht, ist Siegerin. Ihr gehört bei der abendlichen Zusammenkunft in der Gastwirtschaft ein Ehrentanz mit dem Sieger des Hahnrupfenwettbewerbes. |